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 Charakterentwicklung in Romanen und längeren Erzählungen

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Quentin93
Wörtchen
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BeitragThema: Charakterentwicklung in Romanen und längeren Erzählungen   Fr März 25, 2016 3:31 pm

Hallo liebe Schöpfergeister

Ich habe hier einen kleinen Text verfasst für die Rubrik: "so wird's was", einer Website.

Nun hätte ich eine Bitte:
Würdet ihr mir bitte ein Feedback geben, wie sehr euch der Text für das oben genannte Problem hilft und ob ihr in gerne gelesen habt.
Aber auch, ob ihr noch Fragen habt als Schreibende, die nicht beantwortet wurden und ob euch etwas fehlt.

Vielen Dank für die Rückmeldungen!

Grüsse
Quentin




Charakterentwicklung in Romanen

Kennen Sie Dorian Gray von Oscar Wilde? Quasimodo von Victor Hugo?
Nein?
Was ist mit Sherlock Holmes von Sir Arthur Conan Doyle? Oder James Bond von Ian Fleming.

Die Liste liesse sich noch etwas länger fortführen. Wobei, so lange würde die Liste auch nicht, denn gute literarische Figuren sind selten. Und wisst ihr weshalb? Weil sie LEBEN müssen.

Das mag merkwürdig klingen, wie soll denn eine erfundene Figur leben?

Lassen Sie mich das begründen:
„Was keinen Fehler hat, hat wahrscheinlich auch keinen Charakter.“
Dieses leicht abgeänderte Zitat von Paul Newman ist grundsätzlich dem realen Leben gewidmet, lässt sich jedoch wunderbar auf das literarische adaptieren.
Denn wie im richtigen Leben muss Charakter GESPÜRT werden, wenn sie verstehen was ich meine. Sie müssen SPUREN hinterlassen in der Geschichte.
Ich möchte euch einige Anhaltspunkte näher bringen, die meines Erachtens essenziell sind, um euren Figuren etwas mehr Leben ein einzuhauchen.
Fangen wir gleich an.

Stärken durch Schwächen!

Frage: Was ist interessanter? Ein funkelnagelneues Buch oder ein zerfledderter, alter Schinken?
Antwort: Beides, es hängt davon ab, was drin steht.

Genau das ist der Clou. Es kommt darauf an, was in der Figur drin abgeht. Alte Bücher haben meist eine spannende Geschichte und somit Gebrauchsspuren. Bei neuen Büchern hat man die Chance unter den glänzenden Einband zu blicken.
Was ist spannender, als ein Held mit fragwürdiger Vergangenheit? Mit gravierenden Schwächen? Ein Bösewicht mit guten Seiten?

Beispielsweise kann Batman keinen Menschen töten und sei er noch so böse. Und zwar weil er als Kind den Tod seiner Eltern mit ansehen musste. Macht ihn das schwach? Vielleicht. Aber es macht ihn gleichzeitig auch tiefgründig und vor allem: LEBENDIG.
Ich behaupte, dass sich ein spannender Charakter nur aus Schwächen entwickeln kann. Wie diese aussehen ist voll und ganz dem Autor überlassen. Depressionen? Trinksucht? Eitelkeit? Misanthropie? Zynismus? Oder alles zusammen? Die Liste an möglichen Problemen für euren Charakter ist schier endlos. Lasst euch dabei vielleicht auch von bereits bestehenden literarischen Figuren inspirieren, die sich durch ein interessantes Innenleben auszeichnen.

Beispielsweise hatte der berühmte Komponist sein Leben lang mit fortschreitender Ertaubung zu kämpfen. Diese Tatsache machte ihm offenbar sehr zu schaffen, denn er war bekannt für seinen launischen und rastlosen, manchmal sogar aufbrausenden und schroffen Charakter.

Aber: Er war einer der einflussreichsten Komponisten der Geschichte.
Solche Charakteren mögen auf den ersten Moment eher abschreckend wirken, verbergen jedoch eine meist tiefe Komplexität, deren Aspekte gut als Inspirationsquelle dienen können.

Hier kommen meine Tipps für diesen Punkt:

Würzt eure Figur mit Mängeln! Danach gut abschmecken!
Ein depressiver Komiker, ein verzweifelter Anführer, ein arroganter Millionär, ein ängstlicher Soldat.
Es gibt auch hier unzählige Beispiele für eine interessante Konstellation. Hier könnt ihr euren Figuren ordentlich Pfeffer verliehen 

Kocht eure Figur nicht weich!
Keine Schwächen machen eine Figur „rund“. Und nichts ist schlimmer, als solche plakativen Figuren, die keine Mängel zu haben scheinen. Das wirkt zutiefst unglaubwürdig. Billig, um ein etwas derberes Wort zu benutzen.

Ja, stellen Sie sich einmal vor, der Held ihres Buches kann alles, weiss alles und hat für jedes Problem die richtige Lösung parat. Dazu hat er keine nennenswerten seelischen Konflikte.
Wie klingt das für Sie?

Langweilig? Eindimensional? Würde ich so unterschreiben.

Und genau da liegt das hüpfende Komma! Schwächen, Unsicherheiten und Zweifel machen das Leben eurer Figur aus, glaubt mir. Sie sind das Salz in der Suppe.
Meiner Erfahrung nach können sich Leser sehr selten mit dem typischen, fehlerlosen Superhelden identifizieren. Der Mensch ist schliesslich auch nicht perfekt oder?


Das führt mich zu einem weiteren Punkt:

Persönlichkeit in kleine Würfel schneiden, gut durchbraten
Stellen Sie sich immer die Frage: Wieso ist ihr Protagonist so, wie er ist? Woher kommen seine Schwächen? Welchen Einfluss hat das auf seine Handlungen?
Wie bei uns auch, hat jede charakterliche Ausprägung ihre Ursachen. Erklären Sie sich!

Fragen Sie sich dabei immer:

Glaube ich meiner Figur?
Denn wenn Sie es nicht tun, wie soll es dann der Leser tun?
Ihre Figur muss ein Stück weit auch ihren Charakter gemäss handeln. Wir wechseln ja auch nicht unbedingt von einem Tag auf den anderen unser Wesen. Wenn Sie ihrer Figur abkaufen, was sie tut und erzählt, ist die Chance gross, dass sie ihnen gelungen ist. Es ist wie beim Kochen. Schmeckt ihnen die Suppe, ist es gut möglich, dass auch ihre Gäste sie gerne essen.

Mit Entscheidungen ablöschen und ziehen lassen
Eine verflossene Liebe, eine neue Leidenschaft, eine schwere Entscheidung oder ein plötzlicher Schicksalsschlag. All dies kann/muss einen massgebenden Einfluss auf die Persönlichkeit ausüben. Erlebt ihre Figur Veränderungen, muss dies für den Leser in ihrer Charakterentwicklung spürbar sein. Und zwar nachvollziehbar!
Anders gesagt:

Entscheidungen und Veränderungen müssen zu charakterlichen Konsequenzen führen!
Die Veränderung hängt natürlich von der Veränderung innerhalb der Geschichte ab.

Wichtig:
Veränderung im Charakter einer Figur MÜSSEN eine URSACHE und MEHRERE FOLGEN haben! Diese müssen für den Leser nachvollziehbar sein!

Ein Beispiel:
Muss nun ein moralisch integrer König die Entscheidung fällen, seine Männer in den unabwendbaren Krieg zu schicken, so müsste er an dieser Entscheidung schwer zu tragen haben. Zweifel kämen ihm, er würde nach anderen Lösungen suchen, vielleicht sogar darüber seine frühere Fröhlichkeit verlieren, schneller altern. Was auch immer.
Aber für die Veränderungen des Königs muss eine Ursache vorliegen! Und sie müssen im Text nachlesbar sein!

Ein ewiger Zweifler wird nicht plötzlich zum selbstsicheren Anführer und umgekehrt. Wie im echten Leben gibt es für jede Veränderung eine Ursache.
Diesem Kausalzusammenhang muss meiner Meinung nach viel Bedeutung beigemessen werden. Kann der Leser der Figur nicht mehr folgen, verliert er sie.

Also:
Veränderung im Charakter einer Figur MÜSSEN eine URSACHE und MEHRERE FOLGEN haben! Diese müssen für den Leser nachvollziehbar sein!

Doch da ist noch mehr.
Zeigen, nicht verraten
Ich gebe zu, dieser Spruch ist nicht von mir, sondern vom amerikanischen Fantasy-Schriftsteller Brandon Sanderson.
Der Vollständigkeit halber das englische Original:

„Show, don’t tell!“
Der Satz mag nach wenig klingen, hat jedoch eine unglaubliche Wirkung. Lasst den Leser eure Figur entdecken und nehmt nicht alles auf den ersten Seiten vorweg. Das macht es extrem spannend glaubt mir. Macht es ähnlich, wie wenn ihr kocht. Werft in eurer Geschichte Zutat um Zutat in den Topf, bis das vollständige Menü vor euch steht.
Wie oben erwähnt, machen Schwächen eure Figur spannend. Wenn ihr diese im Prolog schon alle erzählt habt, dann bleibt für den Leser nicht mehr viel übrig und das wäre schade, nachdem ihr euch (hoffentlich) so viel Mühe mit ihr gegeben habt.

Ich möchte kurz veranschaulichen, was ich damit meine:

Sherlock Holmes ist berühmt für seine Beobachtungsgabe. Aber explizit gesagt, wir das vom Autor nie. Sondern der Leser entdeckt die Fähigkeiten von Holmes über andere. Beispielsweise erkennt Holmes am Stock von Watson, wo er im Krieg gedient hat, seinen Beruf und einiges mehr.

Oder Watson ärgert sich über das Chaos, das ständig in der Wohnung der Baker Street herrscht. Das zeigt dem Leser, dass Holmes ein Chaot ist.

Solche kleinen Bausteine sind wie Brotkrumen für eure Figur.
Somit ist die Interpretation grösstenteils dem Lesenden überlassen und das macht die Figur interessant. Versuchen Sie es auch!
Kurz gesagt:
Eine spannende Figur wird ENTDECKT, nicht GELESEN!


Leben, alles andere ist Beilage
Je nach Umfang der Geschichte, die ihr schreibt, kann eine Figur auch statisch sein, das heisst, kann sich vielleicht nicht so umfassend entwickeln, wie dies in langen Romanen möglich wäre.
Was sich jedoch in jeder kürzeren Erzählung einbauen lässt, nenn ich folgendermassen:

Hobbies!

Eure Figur hat vielleicht einen Beruf, eine Familie und eine Aufgabe im Text.
Was sie aber auch braucht ist: Eine Geschichte ausserhalb der Geschichte.
Das mag doof klingen, aber für eine Figur macht das sehr viel aus. Darin lassen sich nämlich gekonnt gewisse Charaktereigenschaften verstecken.

Beispiele:
-Jagd (Die Figur mag den Nervenkitzel, ist gern allein, Naturliebhaber, etwas kauzig etc.)
-Schach (Vorliebe für geordnete Tätigkeiten, Intelligenz, Organisationstalent)
-Casino (Spielt gern, risikofreudig, ist gern in Gesellschaft, trinkt vielleicht, flüchtet sich vor etwas ins Spiel etc.)
Nur damit wir uns richtig verstehen:
Die Hobbies müssen nicht ins kleinste Detail ausgearbeitet sein. Trotzdem bietet es sich an, diese in eine Geschichte einfliessen zu lassen, um beispielsweise einen Kontrast zu schaffen (Beim Schach ein Genie, im Leben absolut überfordert) oder dem Leser die Möglichkeit einer eigenen Interpretation offen lassen.
Denn erst in der eigenen Vorstellung erwacht eine Figur zum „Leben“. Der Autor ist jedoch dafür verantwortlich, dass das überhaupt funktioniert. Eben in dem er Brotkrumen ausstreut.

Last but not least:

Holt euch Feedback!
Alleine zu Hause in eurer Kammer kommt sicher vieles gut, aber noch besser ist es, wenn ihr euch jemanden sucht, der die Geschichte gegenliest und beobachtet, wie sich eure Figuren verhalten und euch ein EHRLICHES Feedback gibt.
Dabei gilt: Nicht persönlich nehmen und vielleicht den Rat von mehreren Personen einholen. So erhaltet ihr ein umfassendes Bild.

Ich möchte meine Tipps nochmals zusammenfassen:

- Ein lebendiger Charakter hat Fehler (Stärken durch Schwächen)
- Versucht keine „runden“, also fehlerfreien Figuren zu erschaffen
- Stellt eure Figur immer wieder in Frage (Glaube ich ihr?)
- Entscheidungen müssen Konsequenzen haben und den Charakter verändern
- Nachvollziehbare Erklärungen für Veränderungen liefern
- Leben ausserhalb der Geschichte (Hobbies!)
- Feedback
Zu guter Letzt:
Lasst euch nicht entmutigen – Schreiben bedeutet Arbeit ;)
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Der Träumer
Wörtchen
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Ich schreibe : Romane (Fantasy); Kurzgeschichten (Alltagsgeschichten, Tragik, Unterhaltung); Gedichte (Natur, Tragik, philosophisch); Märchen


BeitragThema: Re: Charakterentwicklung in Romanen und längeren Erzählungen   Di März 29, 2016 2:12 am

Hallo! :)
Ich habe mir deinen Artikel durchgelesen und für gut befunden. Ein solides Fundament für alle, die ihre Charaktere verbessern wollen. Ich finde es sehr gut geschrieben, auch schon mit den Merksätzen und den Metaphern zum Kochen und den Beispielen, die jeder kennt und die auch schnell im Kopf bleiben. Es liest sich leicht und angenehm und fühlt sich nicht so an, wie eine Abhandlung.

Ich könnte jetzt viele Dinge heraussuchen, die ich gut fand und nochmal herausheben, aber dafür bin ich gerade etwas zu müde. :D

Deshalb zum Wichtigem. Ich habe ein wenig Kritik und versuche es mal aus der Perspektive eines potentiellen Lesers zu betrachten. Alles nur meine Meinung, die du -wie es in deinem Artikel ja auch steht- nicht persönlich nehmen solltest. ;)

Eine Sache, die du unbedingt korrigieren musst, ist die Anrede zu dem Leserpublikum. Du wechselst ganz oft vom "Sie" zu "ihr" und "Ihren" zu "euren".
Zitat :
Kennen Sie Dorian Gray von Oscar Wilde?
Zitat :
Und wisst ihr weshalb?
Ich würde dir empfehlen, nicht zu siezen, da es dem Stil des Artikels eher widerspricht.
Entscheidest du dich aber für das "Sie", dann musst du unbedingt drauf achten, dass du die Stellen korrigierst, in denen du das Sie klein geschrieben hast.
Zitat :
Denn wie im richtigen Leben muss Charakter GESPÜRT werden, wenn sie verstehen was ich meine.

Zitat :
Aber explizit gesagt, wir das vom Autor nie.
Ein "d" bei "wird" vergessen. :)

Ich sehe, dass du in dem Artikel das "ß" nicht benutzt hast, sondern konsequent "ss". Ich mag sowas eigentlich überhaupt nicht, da ich ein ß-Fan bin. ;) Wenn ich nämlich ß-Wörter mit ss lese, dann lese ich sie in meinem Kopf immer mit der falschen Aussprache. :D Aber das mindert nicht die Qualität des Artikels, soll aber trotzdem von mir erwähnt werden.

Stilistisch nur noch zwei Sachen:
Zitat :
Es kommt darauf an, was in der Figur drin abgeht.
Der Artikel schafft eine sehr schöne Ebene zwischen lockerer Sprache und dennoch einer seriösen Ausdrucksweise. Daher finde ich den Satz wirklich nicht gut. Der Nebensatz muss meiner Meinung nach definitiv abgeändert werden.

Zitat :
Zweifel kämen ihm, er würde nach anderen Lösungen suchen, vielleicht sogar darüber seine frühere Fröhlichkeit verlieren, schneller altern. Was auch immer.
Das "Was auch immer." ist etwas zu locker, oder? Ich fand, dass es etwas genervt klang, auch wenn es defintiv nicht so gemeint ist (und ein Leser würde das vielleicht auch nicht so empfinden). Aber man stolpert da echt etwas. Fast so, als ob du schnell fertig werden möchtest. :D

Nun zu ein paar inhaltlichen Sachen.
Zitat :
Die Liste liesse sich noch etwas länger fortführen. Wobei, so lange würde die Liste auch nicht, denn gute literarische Figuren sind selten.
Gut, darüber kann man sich streiten. Wenn du ein viel belesener Mensch bist, der Literatur studiert hat und sich mit Charaktern in den verschiedenen Erzählungen über die Jahrhunderte beschäftigt hast, wirst du so einen Satz definitiv sagen. Das habe ich schon von meinen Dozenten gehört. ;)
Ich bin da aber ganz anderer Meinung. Gute und authentische literarische Figuren gibt es sehr viele, besonders im heutigen Zeitalter, wo die Menschen sowieso viel unterschiedlicher geworden sind, da sie sich freier entfalten können. Damals gab es zum Beispiel sehr viele klassische Autoren, die Frauen immer sehr gleich dargestellt haben: Immer brav und hübsch, immer so schlimm verliebt, dass man ohne den Geliebten sterben muss, etc. Während wir heute in historischen Romanen von modernen Autoren viel bessere ausgefeiltere Personen finden.
JEDENFALLS (ich wollte nur mal meinen Senf dazu geben und würde vielleicht auch gerne deine Ansicht dazu hören :) ) würde ich diese Anmerkung aus dem Artikel herauslassen. Sie mag vielleicht richtig sein oder eine Ansicht, die dir sehr wichtig ist, aber in meinen Augen entmutigt das den Leser. Wenn es sowieso nicht so viele gute literarische Figuren gibt, wie soll ich das denn schaffen? Und jemand, der nach so einem Hilfeartikel sucht, darf keinesfalls entmutigt werden. (Ist vielleicht etwas überdramatisch und definitiv nicht deine Absicht, wie man an deinem letzten Satz erkennt, aber du weißt sicherlich, worauf ich hinaus will.)

Zitat :
Lasst euch dabei vielleicht auch von bereits bestehenden literarischen Figuren inspirieren, die sich durch ein interessantes Innenleben auszeichnen.
Beispielsweise hatte der berühmte Komponist sein Leben lang mit fortschreitender Ertaubung zu kämpfen.
Perfekter Ansatz und sehr hilfreicher Tipp! Aber du hast "Beispielsweise" geschrieben, nennst aber nicht explizit die literarisch bestehende Figur, von der inspiriert werden soll. Die Beschreibung trifft fast schon auf Beethoven zu, den es ja nun wirklich gab. Ich weiß nicht ganz genau, wie du das ändern könntest, aber ich wollte es dir als Gedankenanstoß geben. Ich finde auch bei weitem nicht, dass das zu bemängeln ist, aber ich möchte gerne, dass die Mühe, die du in den Text gesteckt hast, auch zu einem bestmöglichen Resultat kommt. Und ich bin immer noch etwas müde und daher vielleicht auch zu pingelig. :D

Zitat :
Veränderung im Charakter einer Figur MÜSSEN eine URSACHE und MEHRERE FOLGEN haben! Diese müssen für den Leser nachvollziehbar sein!
Diese (sehr wichtige) Passage wiederholst du ja unverändert in deinem Text. Jedoch hatte ich das Gefühl, in der Schule zu sitzen und zugedrillt zu werden. (Ich neige zu überdramatischen Schilderungen, entschuldigung. :( ) Ich würde sie einmal herausnehmen, da der Leser sich möglicherweise überladen fühlt oder vielleicht auch etwas für dumm verkauft, wenn wir mal die schnell beleidigten Leberwürste anschauen. :D

Zitat :
„Show, don’t tell!“
Der Satz mag nach wenig klingen, hat jedoch eine unglaubliche Wirkung.
Ich finde, dass der Satz überhaupt nicht nach wenig klingt. :D Und du weißt ja auch, wie richtig dieser kurze und prägnante Satz ist.
Jedenfalls bin ich kein Befürworter von dieser rhetorischen Strategie, den Leser bei seinem Gedanken erwischen zu wollen, um ihn dann zu korrigieren. Gib dem Leser überhaupt nicht die Chance, diesen Satz nicht gut zu finden, sondern sag ihm gleich, warum er wichtig ist. Aber du kannst es natürlich auch drin lassen.
(An dieser Stelle aber noch kurz erwähnt, dass ich dieses Zitat wirklich perfekt gewählt finde. Ich kannte es auch und es hatte mich etwas geprägt, als ich es zum ersten Mal gehört habe. Also großes Lob! Leser werden dir danken!)

Zitat :
Wenn ihr diese im Prolog schon alle erzählt habt, dann bleibt für den Leser nicht mehr viel übrig und das wäre schade, nachdem ihr euch (hoffentlich) so viel Mühe mit ihr gegeben habt.
Das "hoffentlich" gefällt mir wirklich nicht. Es erfüllt keine positive Wirkung meiner Meinung nach. Es bleibt entweder neutral oder ermahnt den Leser. Letzteres ist aber überhaupt nicht passend, besonders bei diesem gut geschriebenen Text, der kein purer Lehrtext ist, sondern so wirkt, als ob man von einem guten schreiberfahrenen Freund Tipps bekommt.

Zitat :
Lasst euch nicht entmutigen – Schreiben bedeutet Arbeit ;)
Für viele Leute ist Arbeit entmutigend. :D Vielleicht also gerne erwähnen, dass Schreiben zwar Arbeit ist, aber belohnend ist und auch viel Freude bereitet. :)

Hier endet die böse Kritik! :) Durchatmen! Dein Text ist super!
Ich bin noch nicht müde genug, um nicht noch zwei Dinge zu nennen, die mir außerdem gefallen haben.

Zitat :
Eine spannende Figur wird ENTDECKT, nicht GELESEN!
Ich find diese Erläuterung zum Sanderson Zitat sehr gelungen und ich bin echt verführt sie mir aufzuschreiben und bei der Schreibarbeit irgendwo hinzuhängen. :D

Deine Zusammenfassung der Tipps ist echt gelungen. Eigentlich eine sehr simple Vorangehensweise, die aber von sehr vielen Leuten gar nicht oder sehr schlecht genutzt wird. Im Biologieunterricht in der Oberstufe beim Abitur war ich immer richtig dankbar für die Zusammenfassungen. :D Und diese hier ist gelungen. Ich würde dir schon fast raten, den Leser im Artikel einzuladen, dass er sich diese Zusammenfassung gerne aufschreiben kann, um einen Merkzettel zu haben, wenn er fühlen sollte, diesen zu benötigen.
Dennoch eine kurze stilistische Anmerkung zu der Zusammenfassung, die mir gerade auffällt.
Zitat :
- Versucht keine „runden“, also fehlerfreien Figuren zu erschaffen
- Stellt eure Figur immer wieder in Frage (Glaube ich ihr?)
Diese beiden Stichpunkte haben Imperative im Gegensatz zu den anderen Stichpunkten. Ich würde sie am besten so kürzen, dass sie formal zu den anderen passen. Also vielleicht:
- Keine "runden", also fehlerfreien Figuren erschaffen
- Figuren immer in Frage stellen

Zu guter Letzt noch: Wenn du deinem Leser vielleicht noch "Charaktersteckbriefe" ans Herz legen möchtest, wäre das noch ein wertvoller Hinweis, der das ganze ergänzen kann. Du musst ja nicht selber das Thema erläutern, sondern nur darauf hinweisen, da es da schon eine Menge guter Mustersteckbriefe und Artikel zu im Netz gibt. (Es sei denn, du hast eigene gute auf Lager! :) )

Also. Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte und noch viel mehr wünsche ich dir, dass dein Text sehr viel positives Feedback von Lesern/Schreibern erhalten wird, denen dardurch geholfen wurde. Ich kannte alle Tipps schon (ohne arrogant sein zu wollen), aber ich habe mich ausgiebig damit beschäftigt und ärgere mich schon fast etwas, dass das, was ich mir aus verschiedenen Quellen angeignet habe, jetzt von dir so einfach zusammengefasst wurde. Wäre ich mal auf einen Text wie diesen zuerst und vor ein paar Jahren gestoßen. :D

Ich gehe jetzt ins Bett und versuche ruhig zu schlafen, ohne mich um meine "böse" Kritik zu sorgen! :P
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