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 Trauer ... wie geht ihr damit um?

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Laoghaire
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BeitragThema: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Mi Dez 07, 2011 1:29 am

Es fühlt sich so falsch an, wenn ein geliebter Mensch nicht mehr da ist. Auch wenn man weiß, dass es für denjenigen besser ist.
Mein Opi lag 13 Wochen im Krankenhaus. Nach der 1. OP war noch alles gut, er war euphroisch und optimistisch, dass er bald wieder zu meiner Omi nach Hause kommt. 6 Tage später dann die zweite OP und ab dann ging es abwärts: Seine Blutwerte wurden schlechter, sein Allgemeinzustand, die therapeutischen Maßnahmen halfen nichts und am 10.11. haben sie ihm das linke Bein am Oberschenkel abgenommen, weil es nicht mehr durchblutet wurde und er kurz vor einer Blutvergiftung stand. Danach wurde es erst noch schlechter, die Ärzte sprachen schon von Leukämie wegen seiner Blutwerte. Und dann kam die Kehrtwende. Von einem Tag auf den anderen ging es ihm besser. Das hielt etwa 5 Tage an, dann ging es wieder abwärts. Seit letztem Samstag lag er im Sterben
Meine Mutter und meine Tante waren fast Tag und Nacht da und wollten nicht, dass wir Enkelkinder kommen. Ich bin am Sonntag trotzdem hin, ich hätte es nicht mit mir vereinbaren können, mich nicht verabschiedet zu haben. Ich hatte sogar ein paar Minuten mit ihm allein und hab ihm von Andy und mir erzählt, von unserer Wohnung und unserem Plan. Und ich habe ihm gesagt, dass es ok ist, dass er gehen darf und wir ihm nicht böse sind deswegen. Ich glaube fest, dass er mich gehört hat.

Heute um 20:17 rief der Arzt an. Meine Mutter war dran. Sie und meine Tante sind erst um 19 Uhr aus dem KH gekommen. Kaum eine Stunde später hat er sich verabschiedet. Seit gestern war er gar nicht mehr wach, er hat Morphium bekommen, unter anderem, weil er Wasser in der Lunge hatte und er sollte ja keine Schmerzen haben.

Wir sind sofort hingefahren. Sie hatten ihn schon hergerichtet. Aber er hatte diesen furchtbaren KH-Kittel an und dann dieses Scheiß-Handtuch um den Kopf gewickelt, damit sein Mund zu bleibt. Wir haben ihn alle begrüßt, meine Tante und mein Onkel, meine Omi, meine Mutter und ich. Haben seine Hände berührt, er war noch ganz warm. Er sah so klein und schmal aus, sein gesicht so eingefallen. Sah er friedlich aus? Ich kann es nicht sagen. Für mich sah er eher fremd aus, obwohl ich ihn vorgestern noch gesehen habe. Seine Hände in dieser typischen Geste über dem Bauch gefaltet. Ich konnte nicht wegsehen. Die anderen fingen an zu packen, seine Sachen von 13 Wochen zu packen. Alles passte in 3 Taschen. Ich hab währenddessen neben ihm gestanden und ihn angesehen, wollte ihn mir einprägen, weil es das letzte Mal war. Ich weiß gar nicht, ob es ein Begräbnis mit offenem Sarg wird.
Er war immer so stark, unser Familienoberhaupt, auch noch mit 87. Er ging gesund ins KH und jetzt wird er im Sarg hinausgefahren.
Das ist eifnach so unfair. Klar wusste ich, dass er nicht ewig da sein würde, aber das er so gehen musste, das ist einfach nicht fair. Sein Bein haben sie ihm abgenommen und wofür? Damit er länger leidet?

Aber jetzt hat er es geschafft, mein Weihnachtswunder ist doch wahr geworden, auch wenn ich es abändern musste. Wenigstens das hat Gott ihm erspart.
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er jetzt nicht mehr da ist. Wer gibt mir jetzt gutgemeinte Ratschläge, die ich mit Augen verdrehen und lächeln abtun kann? Wer erzählt mir jetzt die Geschichte von meiner Geburt?
Ich bin ihm nicht böse, dass er gegangen ist, ich bin froh, dass er jemanden hatte, der ihm auf die andere Seite geholfen hat. Ende letzter Woche fragte er immer, wer da in seiner Zimmerecke stehe und als ich Sonntag da war, da schien er immer etwas an der Decke zu sehen. Ich wollte nicht, dass er allein ist, wenn es passiert. Und ich wollte nicht, dass es im KH passiert.

Aber es ist passiert und ich bin froh, dass ich mich von ihm verabschiedet habe. Am Sonntag und auch heute. Es war so, als wäre er bloß eingeschlafen und wir sagen Tschüss und kommen morgen wieder. Aber wir kommen nicht wieder.

Aber ich glaube daran, dass er bei uns ist. Und auf uns aufpasst. Und dass wir ihn wieder sehen, wenn wir an der Reihe sind.

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buffy
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Mi Dez 07, 2011 11:09 pm

Ich weiß nicht, ob ich dir da wirklich einen Rat geben kann. Ich bin jemand, der verdrängt, der sich mit tausend Sachen beschäftigt, nur um nicht daran denken zu müssen. Zum Abschied nehmen hatte ich keine Zeit. Meine Mutter wurde einfach so von jetzt auf gleich aus unserem Leben gerissen. Seither vermeide ich darüber nachzudenken. Ich war nur zwei mal ganz kurz am Grab, weil es mir Angst macht dort zu sein. Ich habe am Tag, als sie gestorben ist eine Panikattacke bekommen, musste den Krankenwagen kommen lassen, danach habe ich mich in den Umzug gestürzt und zwei Wochen wie in Watte gelebt. Das erste Mal richtig geheult habe ich, als ich ein paar Minuten zu früh vor der Schule stand, um die Kids abzuholen. Da hatte ich Zeit nachzudenken und alles ist über mich eingestürzt. Danach hab ich mich wieder in die Arbeit gestürzt. Dann kam der Umzug und als ich das alles geschafft hatte, bin ich mehr aus Schuldbewusstsein an das Grab gegangen mit meiner Schwester. Auch da hab ich mir nicht erlaubt, zu weinen. Erst als ich ein paar Tage später allein da war. Danach hieß es wieder ablenken. An den Rand meiner Kräfte hat mich dann der Besuch bei meinen Vater gebracht, weil die Wohnung überall Erinnerungen geweckt hat. Da musste ich wieder gegen eine Panikattacke ankämpfen.
Ich bin ein Mensch, der Gefühle nicht zulässt. Nicht nach außen hin, auch nicht für mich selbst. Ich weiß nicht, ob das okay so ist. Da ist immer die Angst, dass es mich irgendwann einholt, wenn es gerade gar nicht sein darf. Andererseits, wenn ich es zulasse, dann muss ich es wohl auch akzeptieren und vielleicht bin ich gerade dazu noch nicht bereit?
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Laoghaire
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Do Dez 08, 2011 1:10 am

Das ist hart, buffy. Ich heule ständig. Ich glaube, nach der dritten OP ist mir wirklich bewusst geworden, dass er nicht mehr gesund wird. Klar hatte ich Hoffnung, dass er wieder nach hause kommt, aber es würde nicht mehr so werden wie vorher. Ich war da, als er gerade aus dem Aufwachraum wieder in sein Zimmer kam. Wir haben beide geweint. Er hatte Angst, er hatte richtig Angst und fragte mich, ob das jetzt das letzte mal gewesen sei. Und ich blöde Kuh hab ja gesagt und ihm versprochen, dass er nicht mehr operiert wird.
Seitdem wollte ich nicht mehr allein zu ihm. Ich wollte für ihn stark sein und ihm Mut machen und hatte Angst zusammenzubrechen, wenn ich allein bei ihm bin. Danach habe ich ständig geweint.
Heute war die Bestatterin da. Und irgendwann kamen wir zu dem Punkt, ob wir Blütenblätter oder ganze Blumen wollen, die wir dann ins Grab legen können. Und da schaltete meine Mutter sich ein und meinte zu meiner Tante: "Ich hab dir doch von meiner Idee erzählt, was wir da machen können." Meine Tante wusste nicht mehr, was meine Mom meinte und sie wandte sich an die Bestatterin und sagte "Mein Vater hat von jedem Strand an dem er war ..." und da hab ich sie unterbrochen und "Sand" gesagt. Mein Opi hat Sand gesammelt. Er war bei der Marine und hat das Leben auf See geliebt.
Bestimmt zwei Minuten war es totenstill, während wir alle versucht haben, die Fassung wiederzugewinnen (Mom, Tante, Onkel, Cousine, Omi und ich).

Für mich ist es wichtig zu weinen. Ich bin da wie Kate, ich kann einfach nicht anders.
Für dich musst du schauen, wie es am besten geht, da gibt es mit Sicherheit kein Patentrezept. Aber Verdrängen ist bestimmt auch nicht gut, sonst holt es dich ein, wie bei deinen Panikattacken. Wo hab ich das noch mal gelesen? In irgendeinem Buch hatte ein Chara dem anderen den Rat gegeben, jeden Morgen zu heulen und sich ganz dem Schmerz hinzugeben - aber nur für 15 Minuten. Da du dich scheinbar sehr gut beherrschen kannst, funktioniert diese Methode vielleicht bei dir.

Ich hab heute auch wieder geweint, halt als die Bestatterin da war und dann, als wir alle bei meiner Tante waren und meine Cousine nach Hause kam. Sie wusste noch nichts, da sie gestern Nachtschicht hatte und meine Tante ihr das natürlich nicht während des Dienstes sagen wollte.
Aber es geht mir heute zumindest ein klein bisschen besser. Er war nämlich heute morgen bei mir. Im Traum. Er stand da in meinem Zimmer und hat mich angelächelt. Auf zwei Beinen, sein Gesicht wie früher, nicht so ausgemergelt, und er hat so liebevoll gelächelt.
Ich bin ihm in die Arme gefallen und er hat mich begrüßt wie er das immer gemacht hat. Bevor ich ihn aber fragen konnte, ob es ihm gut geht, bin ich wach geworden. Ich weiß nciht, ob das die Verabschiedung war, oder ob er wiederkommt, aber ich fühle mich jetzt getröstet. Er hat so glücklich und zufrieden ausgesehen.
Und meine Mom hat erzählt, dass sie gestern noch spät fernsehen geguckt hat um sich abzulenken und irgendwann hat ihre Wange gekribbelt, so als hätte mein Opi ihr über die Wange gestreichelt. Sie meinte, dass das vermutlich Wunschdenken war, aber dann hab ich ihr von meinem Traum erzählt.

Und mit deiner Schwester reden kannst du nicht? Mir fällt es ehrlich gesagt auch schwer zu reden, zumindest mit meiner Familie, einfach weil ich dann immer weinen muss. Aber es tut gut zu wissen, dass wir alle füreinander da sind und den gleichen Schmerz durchmachen. Darüber "reden" kann ich hier am besten, wo ich mich auch besser ausdrücken kann.

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Do Dez 08, 2011 12:23 pm

Nee, mit meiner Schwester geht dsas nicht wirklich. Die Beziehungen innerhalb meiner Familie sind alle etwas kompliziert. Und dass meine Mutter jetzt nicht mehr da ist, macht das nicht besser. Ich habe da in letzter Zeit mehr Halt bei der Familie meines Mannes. Die sind für mich da. Derzeit kommt meine Schwägerin mit Familie sogar jeden Abend. Und ich hab den Verdacht, dass sie das machen, damit ich sehe, dass ich trotz allem noch eine Familie habe.
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Do Dez 08, 2011 5:42 pm

Das ist doch total lieb. Stimmt, hast du deiner Schwägerin nicht die Jägerin gewidmet?
Mir geht es heute ein wenig besser, auch wenn beim Fotos durchgucken, nach einem schönen für den Gottestdienst, wieder ständig die Tränen kamen.
Fällt es dir auch so schwer, in der Vergangenheit zu reden? Gerade wenn mich jemand trösten will und sagt, dass Opi mich (also uns alle) lieb gehabt hat, dann denk ich mir, dass das falsch ist. Er hat uns immer noch lieb und umgekehrt genauso. Die Liebe vergeht doch nicht!

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Do Dez 08, 2011 6:20 pm

Ja, bei mir ist es in letzter Zeit auch oft, dass ich das Telefon nehmen will und meine Mutter anrufen will. Früher, wenn was wichtiges passiert ist, hab ich sie immer angerufen. Letzte Woche z.B. hat man hier in der Schule mit Phillipp einen IQ-Test gemacht, weil die gemerkt haben, dass da was anders ist, als beim normalen Hauptschul-Schüler. Beim Test kam raus, das Phillipp einen IG von 115 hat und eigentlich an das Gymnasium gehört. Jetzt versetzt man ihn erstmal an die Realschule, weil im durch die Bayrische Hauptschule eine Menge Wissen fehlt. Da gibt es ja kein Physik, Chemie, Biologie etc.
Jedenfalls hatte ich das Telefon schon fast in der Hand, als mir einfiel, dass ich sie ja gar nicht anrufen kann.
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Do Dez 08, 2011 6:44 pm

Oh, das ist furchtbar. Ich hab auch immer bei Opi angerufen, wenn was war (Abi bestanden, Wohnung gefunden und so).
Aber schön für deinen Sohn, dass er die Schule wechseln kann. An Hauptschulen gibt es diese Fächer nicht? Das ist ja übel, so wird den Kinder ja aber auch fast jede Chance vermasselt, mal was vernünftiges mit ihrem Leben anzufangen, wenn sie gar nicht erst rausfinden können, dass sie in besagten Fächern gut sind und darin mal arbeiten können.

Aber erzählen kannst du es deiner Mama trotzdem. Ich hab Opi die letzten zwei Abende, wenn ich Bett lag berichtet, was am Tag so passiert ist. Es ist zwar gerade das Antworten, das fehlt, aber wir kennen die beiden gut genug um uns denken zu können, was sie sagen würden.

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Do Dez 08, 2011 8:33 pm

An bayrischen HS gibt es die Fächer nicht. Da wurden 6 Fächer zu zweien zusammengezogen und die kids lernen nicht mal mehr ein Minimum an Grundwissen. Ist leider echt traurig. Hier in Sachsen sind die Lehrer total verwirrt über das was meine Kids alles nicht gelernt haben.

Das hab ich früher immer mit meinem Vater gemacht, dem hab ich immer erzählt, wenn es mir besonders schlecht ging. Mein leibl. Vater ist ja jetzt auch schon fast 18 Jahre tot.
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Fr Dez 09, 2011 12:59 am

Wieso rebellieren die Eltern denn da nicht? Die Lehrer können doch nur Empfehlungen aussprechen, und nicht verbieten, dass das Kind auf eine bessere Schule gehen kann.

Opi konnte ich auch immer stundenlang von meiner Arbeit oder meinem Tag erzählen, er fand das nie langweilig.

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Do Dez 15, 2011 10:42 pm

So, morgen ist der "große Tag" und ich hab etwas Angst davor. Da sind auch viele Freunde von Omi und Opi und viele kenne ich gar nicht. Da kommen dann Fremde zu mir und sprechen mir ihr Beileid aus ... ich weiß nicht, wie ich das finden soll.
Meine jüngste Cousine hat Opi einen Brief geschrieben, der kommt dann mit ins Grab. Ich habe überlegt, ob ich auch einen schreiben soll, aber das gehört Sonja. Und außerdem erzähle ich ihm immer noch jeden Abend von meinem Tag, da wäre ein Brief überflüssig. Ich würde auch gerne etwas ins Grab legen, aber ich weiß nicht was.

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Do Feb 23, 2012 6:58 pm

Es ist unglaublich, wie weh es immer noch tut.
Im Fernsehen muss nur jemand sterben, jemand redet über den Tod und ich muss sofort weinen.
Wahrscheinlich spielen die Hormone auch noch eine große Rolle, denn zwiscendurch war es besser, aber seit etwa 2 Wochen vergeht kein Tag, an dem ich nicht weinen muss.

Erst Weihnachten ohne ihn, das war einfach nicht richtig, dann Silvester. Zwar haben wir das nie zusammen gefeiert, aber wir wollten meine Omi nicht allein lassen. Und sie war da, aber Opi nicht.

Vorgestern war dann der Geburtstag meiner Mutter und Samstag ist sein eigener Geburtstag. Ich hab mit meiner Mom telefoniert und gefragt, ob wir da irgendwas machen, ich möchte den Tag nicht einfach verstreichen lassen. Auch da konnte ich mich nur mit Mühe zurückhalten, nicht anzufangen zu weinen. Ich glaub, sie hat es trotzdem gemerkt.

Ich kann es auch noch immer nicht aussprechen, kann nicht "wäre" und "hätte" sagen und ich bleibe auch bei "er ist gegangen".
Ich rede auch mit der Familie in letzter Zeit selten über ihn, einfach weil es anstrengend ist, die Sätze so zu formulieren, als wäre er noch da. 10 Wochen und 3 Tage ist es her und ich sehe ihn immer noch vor mit, im Kittel, die Hände über dem Bauch gefaltet und es ist so schlimm!

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Sa Feb 25, 2012 1:03 pm

Wie ich zwischenzeitlich damit umgehe? Mit ignorieren. Ich vermeide darüber nachzudenken, gehe nicht auf den Friedhof, aber eigentlich ist das Wissen immer da. Ich brauch nur zum Fenster rausschauen, dann seh ich den Kindergarten in dem Meine Mutter gearbeitet hat, die Wohnung in der wir als Kinder gewohnt haben, die Wohnung in der meine Eltern zuletzt gewohnt haben. Das ganze Gebiet in dem wir jetzt leben steckt voller Erinnerungen an meine Kindheit und damit auch an meine Mutter. Also eigentlich kann ich dem nicht wirklich aus dem Weg gehen. Es war sogar so schlimm, dass meine Panikattakcen sich wieder richtig festgefressen hatten. Ich hab jede Sekunde gedacht, jetzt bekomme ich auch einen herinfarkt, ständig hatte ich Brustschmerzen, war Kurzatmig ...
Ich hab durch meine eigene Herzerkrankung irgendwie doppelt daran zu fressen. Ich mein, ich hab innerhalb eines Jahres zwei Menschen an den Herzinfarkt verloren. Meinen Opa mütterl, seits, meine Mutter.
Letztens ging es mir wieder total schlecht und ich war bei meiner Ärztin und die hat das Kind beim Namen genannt. Bei mir ist das mittl. Psychisch. Ich brauche eine Therapie. Außer meiner Herzstolperer wäre mein Herz gesund. Da gibt es keine Anzeichen einer Durchblutungsstörung. Das alles so genau gesagt zu bekommen, scheint geklappt zu haben. Seither geht es mir wieder gut. ich achte nicht mehr ständig auf meinen Puls, hab nicht mehr dauernd Herzschmerzen und wenn das Herz wieder stolpert, fahre ich deswegen nicht gleich aus der Haut. Ich hoffe, dass das jetzt so bleibt, weil dorthin, wo ich vor paar Jahren schon mal war, will ich nicht wieder zurück. Ständige Angst vor den Tod ist keine Option mehr für mich. Ich hab keine Lust mich wieder total zurückzuziehen.
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Sa Feb 25, 2012 11:06 pm

Das ist echt heftig, mit deinen Panikattacken und den Herzstolperern.
Ich heule einfach nur und das ist schon schlimm genug, denn manchmal habe ich das Gefühl, nicht mehr aufhören zu können.
Und wirst du eine Therapie machen?

Wir waren heute auf dem Friedhof, Mom, Tante, Onkel, Cousine, Bruder und Freund.
Es war ziemlich enttäuschend. Die Gärtner haben sich überhaupt nicht gekümmert, meine Tante hat schon vor Wochen gesagt, dass immer noch die Kränze von der Beerdigung auf dem Grab liegen und es hieß, es wird sich drum gekümmert.
Aber nichts. Die Grabplatte ist auch noch nicht fertig und auf der Erde in der Umrandung lagen die Kränze von vor 2 Monaten!
Wir haben sie dann weggeräumt und ein Blumengesteck gekauft und alles wenigstens ein bisschen hergerichtet. 15 Minuten ungefähr waren wir da. Zwischendurch war mir wieder nach Weinen, aber irgendwie erschien mir das nicht als der richtige Zeitpunkt.
Es war wie Weihnachten, es kam einfach nicht die richtige Stimmung auf ...

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Do Okt 04, 2012 3:58 pm

Also meine Oma ist gestern gestorben und irgendwie hab ich das noch nicht realisiert....

Natürlich ich war richtig fertig und hab geheult, aber nach einer halben stunde war es vorbei. Aber eben nicht ganz, ich verdräng das nur so extrem und bin deshalb jetzt total überemotional. Als ich vorher Filme geschaut habe zum Beispiel hab ich bei jeder rührenden oder traurigen szene angefangen zu weinen, obwohl das normal nich so meins ist.

Und was ich auch gar nicht kann ist darüber zu reden, das ist auch der Grund warum ich hier schreibe. Ich muss es loswerden, aber irgendwas in mir sträubt sich dagegen mich zu sehr mit dem Thema zu beschäftigen...
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Fr Okt 05, 2012 12:38 am

Das tut mir sehr leid für dich, ich kann so gut verstehen, wie du dich fühlst.
Und mir ging es ja genauso, ich hab an dem Abend Rotz und Wasser geheult und mich in den Schlaf geweint, aber zwischendurch gab es auch Phasen, wo ich gar nicht geweint habe und mich richtig leer gefühlt habe.
Aber noch heute, 10 Monate danach, weine ich bei rührenden Filmen, gerade wenn ältere Personen darin sterben.

Und verdrängen tu ich auch noch, bestes Beispiel ist, dass ich immer noch sage "er ist gegangen". Ich kann das T-Wort einfach nicht benutzen.

Das Schreiben hier und in einem anderen Forum haben mir sehr geholfen, schreiben fiel mir schon immer leichter als reden (und da bin ich auch nicht auf den Mund gefallen). Irgendwie konnte ich mich beim Schreiben damit beschäftigen, ohne mich damit zu beschäftigen, weißt du wie ich das meine? Irgendwie so, als würde ich eine Geschichte schreiben als Ich-Erzähler und es ist das Schicksal meiner Prota und nicht meins.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft die nächste Zeit, die Beerdigung wird sicher nicht leicht, ich fand es ganz schrecklich, hab nur auf meine Füße gestarrt, konnte die Pfarrerin nicht ansehen und nicht das große Bild, dass dort von ihm stand. Und als dann die Urnenträger reinkamen und vor der Urne salutierten, da bin ich beinahe zusammengebrochen.

Ich kann dir nur sagen, dass der Schmerz nicht nachlässt, aber man lernt damit umzugehen. Und es gibt Tage und Momente, wo er dich wieder einholt und dir die Luft wegnimmt.
Kannst du mit deiner Familie reden? Das ist auch wichtig.

Mein Beileid, auch wenn es hohl klingt, so empfand ich es zumindest. Aber in so einer Situation gibts auch einfach keine richtigen Worte.

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   So Okt 07, 2012 12:32 pm

Ja ich versteh wie du das mit dem Schreiben und Beschäftigen meinst.

Donnerstag ist dann die Beerdigung...Ich könnte mit meiner Familie reden, aber irgendwie fühle ich mich noch nicht bereit dazu. Ich hab auch irgendwie Angst davor meinen Opa zu sehen, ich mein er war immer so fröhlich...

Danke für dein Beileid und nein es klingt nicht hohl.
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   So Okt 07, 2012 11:36 pm

Wenn du noch nicht bereit bist, dann b ist du es nicht. Hauptsache, es ist jemand da, der dir zuhört wenn du dann soweit bist.

Oh ja, ich weiß was du meinst. Meine Omi war eigentlich immer eine sehr starke Frau, aber das lange Leiden von meinem Opi und ihre Demenz haben sie furchtbar gebrechlich und alt gemacht und sie hat unglaublich viel geweint, was war mit das Schlimmste. Klar denkt man an sich, wie sehr man selber den geliebten Menschen vergisst, aber dann ist da eben auch noch der Ehepartner, der teilweise über 50 Jahre mit der/dem Verstorbenen verbracht hat und nun ganz allein dasteht, das ist noch schlimmer.

Was macht dein Opa denn jetzt? Ist er noch fit und kann allein wohnen? Oder möchte er das überhaupt noch? Meine Omi ist Donnerstag ins Heim umgezogen, sie konnte wegen der Demenz nicht mehr allein wohnen und es ist auch besser so, denn obwohl täglich Pflegedienst, Sozialarbeiter, meine Tante und Mutter da waren und auch meine Cousinen, mein Bruder und ich, hat sie sich einsam gefühlt und auch immer gesagt "Ist das schön, dass du mich besuchen kommst, ich bin ja immer allein hier". Nun hat sie Gesellschaft, es ist Tag und Nacht jemand da und bis jetzt fühlt sie sich sehr wohl und fühlt sich Gott sei Dank nicht abgeschoben.
Ich hoffe, dein Opa kann sich, so gut es eben geht, fangen und einen Ausgleich finden, damit er nicht so allein ist.

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Mi Okt 10, 2012 7:45 pm

Mein Opa war immer total fit, er liebt Bergwandern und so. Im Winter geht er immer mit Schneschuhen und im Sommer morgens um 4 oder so, damit er daheim ist, bevor die große Hitze kommt. Also allein wohnen kann er auf jeden Fall und ich denke er wird es auch.

Das mit deiner Oma kann ich verstehen méin "Stiefoma" hat auch Demenz und die ist auch erst richtig ausgebrochen, als ihr Mann gestorben ist. Sie ist auch schon bei irgendeinem Tagespflegdienst, aber mein Stievvater und seine Geschwister denken grade auch über ein Heim nach.
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Fr Okt 12, 2012 8:47 pm

Also gestern war Beerdigung und ich muss sagen es war echt schlimm. Eigentlich hätte ich die Fürbitten lesen sollen doch ich war so fertig (unter anderem: Reisen mit der DB), dass meine Großcousina die dann acuh noch gelesen hat.

Während des Gottesdienstes saß ich dann zwischen meiner Mama und meinem Dad, beide haben zwar die ganze Zeit meine Hand gehalten und zwischen durch auch gedrückt, aber ich konnte nich zurückdrücken- das war echt irgendwie gruselig und hat mir ein bissi Angst gemacht. Es war ein Urnenbegräbnis und es war eigentlich wirklich schön, was auch daran lag, dass der Pfarrer ein Verwandter ist.

Trotz der ganzen Trauer und so muss ich echt sagen, dass mir die Beerdigung irgendwie gut getan hat.
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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   Sa Okt 13, 2012 12:15 pm

Schön, dass es dir doch gut getan hat.
Ich weiß bis heute nicht, ob es bei mir so war oder nicht. Bei uns hat keiner was gesagt außer der Pfarrerin. Nur nachher am Grab, da hat Opis ältester Crew-Kamerad (Opi war bei der Marine) ein paar Worte gesagt, aber das ging mich irgendwie nichts an.
Wir hatten auch ein Urnenbegräbnis und mir gefiel das gar nicht. Opi hatte sich das genau überlegt, damit das Grab halt viel kleiner ist und wir nicht so viel Arbeit damit haben.
Ich hätte aber irgendwie lieber ... weiß nicht, ich hab mich zwar im Krankenhaus noch mal von ihm verabschiedet, nachdem wir die Nachricht erhalten haben, aber irgendwie wollte ich ihn da auch noch mal sehen.

Ich finde es mutig, dass du die Fürbitten lesen wolltest, selbst wenn du es am Ende doch nicht geschafft hast. Ich hätte mir das so gar nicht zugetraut.

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BeitragThema: Re: Trauer ... wie geht ihr damit um?   So Okt 14, 2012 9:10 pm

Also ich konnte mich so von meiner Omi gar nich verabschieden und ich weiß auch nich sicher warum es ein Urnenbegräbnis war. Ich vermute mal, dass es daran lag, dass meine Oma ja wirklich schwer krank war (am Schluss lag sie im Koma) und laut meinem Opa muss sie auch wirklich schrecklich ausgesehen haben, ihre Beine waren anscheinend ganz offen.
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Trauer ... wie geht ihr damit um?
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