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 Satz für Satz [2] Ein ganz normales Mädchen

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Laoghaire
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BeitragThema: Re: Satz für Satz [2] Ein ganz normales Mädchen   Fr Jul 29, 2011 1:32 pm

Hanna Schmidt war ein ganz normales Mädchen.
Sie war nicht besonders schön, nicht besonders intelligent und nicht besonders talentiert. Alles in allem könnte man sie als den personifizierten Durchschnitt bezeichnen. Hanna war also nicht schlechter oder besser als jeder von uns. Aber sie besaß etwas, das sie von uns anderen erheblich unterschied. In ihrer Freizeit las sie nicht wie wir anderen Bücher oder ging ins Kino, nein. Sie ging auf den Friedhof.
Dort, zwischen unzähligen, ergrauten Grabsteinen und wadenhohem Gras ruhte jemand, den sie nicht vergessen konnte.
Mehr als einmal hatte ich sie auf meinem Heimweg dort sitzen sehen, vor dem schulterhohen Granitstein knien sehen, den Kopf in Trauer gesenkt - oder im Zwiegespräch mit ihm. Und nie hatte ich mich getraut, sie anzusprechen und mich als Beobachter zu enttarnen. Dabei würde ich sie so gerne ansprechen, seit dem Tag, als sie an meine Schule kam.
Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal sah und sofort gewusst hatte, dass in ihrem Blut pure Schönheit schwamm. Und damit gehörte ich zu den Jungen, die nicht in ihrer Liga spielten. War es denn nicht immer so?
Der Außenseiter verliebte sich in die Neue - aber eigentlich war sie auch eine Außenseiterin; nicht, dass sie ausgeschlossen wurde, nein, sie sonderte sich einfach von den anderen ab. Den ersten Leuten, die sie ansprachen, trat sie schüchtern gegenüber - und wollten ihr diese noch näher kommen, folgte Ablehnung.
Sie faszinierte mich: Ihre Kleidung, unkonventionell und auffällig; ihre Augen, groß und fragend; ihre Zurückhaltung, was war der Grund dafür? Ich wusste es nicht, doch ich verzehrte mich danach, sie kennenzulernen ... ihr näher zu kommen - wenn ich mich doch bloß trauen würde! Es müsste eine unverfängliche Situation sein, vielleicht konnte ich ihr anbieten, ihr die Schule zu zeigen. Doch an dem Tag, an dem ich meinen Plan schließlich in die Tat umsetzen wollte, kam alles anders.
Dabei fing der Tag so gut an, Sonnenschein und gleich die erste Stunde fiel aus - die perfekte Gelegenheit. Das erste Mal seit Langem schien alles wie geschmiert für mich zu laufen - als hätte das Schicksal sich dazu entschieden, mir doch noch eine Chance zu geben.
Und ich wollte diese Chance auf jeden Fall nutzen, auch wenn mir vor Aufregung die Knie schlotterten. Schnell war ein Kaugummi zur Hand, der den Atem verbessern sollte, nocheinmal durchs Haar gestrichen und am Shirt gezupft, bis alles saß, da sah ich sie auch schon mit ihren Kopfhörern durch die Massen der anderen Schüler drängeln.
Sie lief geradewegs auf mich zu, ich holte tief Luft, um "Hi" zu sagen - da war sie auch schon an mir vorbei; ohne mich bemerkt zu haben, ohne dass ich den dicken Kloß im Hals hätte hinunterschlucken, und sie grüßen können.
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BeitragThema: Re: Satz für Satz [2] Ein ganz normales Mädchen   Fr Jul 29, 2011 2:31 pm

Hanna Schmidt war ein ganz normales Mädchen.
Sie war nicht besonders schön, nicht besonders intelligent und nicht besonders talentiert. Alles in allem könnte man sie als den personifizierten Durchschnitt bezeichnen. Hanna war also nicht schlechter oder besser als jeder von uns. Aber sie besaß etwas, das sie von uns anderen erheblich unterschied. In ihrer Freizeit las sie nicht wie wir anderen Bücher oder ging ins Kino, nein. Sie ging auf den Friedhof.
Dort, zwischen unzähligen, ergrauten Grabsteinen und wadenhohem Gras ruhte jemand, den sie nicht vergessen konnte.
Mehr als einmal hatte ich sie auf meinem Heimweg dort sitzen sehen, vor dem schulterhohen Granitstein knien sehen, den Kopf in Trauer gesenkt - oder im Zwiegespräch mit ihm. Und nie hatte ich mich getraut, sie anzusprechen und mich als Beobachter zu enttarnen. Dabei würde ich sie so gerne ansprechen, seit dem Tag, als sie an meine Schule kam.
Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal sah und sofort gewusst hatte, dass in ihrem Blut pure Schönheit schwamm. Und damit gehörte ich zu den Jungen, die nicht in ihrer Liga spielten. War es denn nicht immer so?
Der Außenseiter verliebte sich in die Neue - aber eigentlich war sie auch eine Außenseiterin; nicht, dass sie ausgeschlossen wurde, nein, sie sonderte sich einfach von den anderen ab. Den ersten Leuten, die sie ansprachen, trat sie schüchtern gegenüber - und wollten ihr diese noch näher kommen, folgte Ablehnung.
Sie faszinierte mich: Ihre Kleidung, unkonventionell und auffällig; ihre Augen, groß und fragend; ihre Zurückhaltung, was war der Grund dafür? Ich wusste es nicht, doch ich verzehrte mich danach, sie kennenzulernen ... ihr näher zu kommen - wenn ich mich doch bloß trauen würde! Es müsste eine unverfängliche Situation sein, vielleicht konnte ich ihr anbieten, ihr die Schule zu zeigen. Doch an dem Tag, an dem ich meinen Plan schließlich in die Tat umsetzen wollte, kam alles anders.
Dabei fing der Tag so gut an, Sonnenschein und gleich die erste Stunde fiel aus - die perfekte Gelegenheit. Das erste Mal seit Langem schien alles wie geschmiert für mich zu laufen - als hätte das Schicksal sich dazu entschieden, mir doch noch eine Chance zu geben.
Und ich wollte diese Chance auf jeden Fall nutzen, auch wenn mir vor Aufregung die Knie schlotterten. Schnell war ein Kaugummi zur Hand, der den Atem verbessern sollte, nocheinmal durchs Haar gestrichen und am Shirt gezupft, bis alles saß, da sah ich sie auch schon mit ihren Kopfhörern durch die Massen der anderen Schüler drängeln.
Sie lief geradewegs auf mich zu, ich holte tief Luft, um "Hi" zu sagen - da war sie auch schon an mir vorbei; ohne mich bemerkt zu haben, ohne dass ich den dicken Kloß im Hals hätte hinunterschlucken, und sie grüßen können. Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich ihr bedämmert hinterherstarrte und ganz starr war - ich vergaß sogar einen Moment lang, zu atmen.

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BeitragThema: Re: Satz für Satz [2] Ein ganz normales Mädchen   Fr Jul 29, 2011 5:50 pm

Hanna Schmidt war ein ganz normales Mädchen.
Sie war nicht besonders schön, nicht besonders intelligent und nicht besonders talentiert. Alles in allem könnte man sie als den personifizierten Durchschnitt bezeichnen. Hanna war also nicht schlechter oder besser als jeder von uns. Aber sie besaß etwas, das sie von uns anderen erheblich unterschied. In ihrer Freizeit las sie nicht wie wir anderen Bücher oder ging ins Kino, nein. Sie ging auf den Friedhof.
Dort, zwischen unzähligen, ergrauten Grabsteinen und wadenhohem Gras ruhte jemand, den sie nicht vergessen konnte.
Mehr als einmal hatte ich sie auf meinem Heimweg dort sitzen sehen, vor dem schulterhohen Granitstein knien sehen, den Kopf in Trauer gesenkt - oder im Zwiegespräch mit ihm. Und nie hatte ich mich getraut, sie anzusprechen und mich als Beobachter zu enttarnen. Dabei würde ich sie so gerne ansprechen, seit dem Tag, als sie an meine Schule kam.
Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal sah und sofort gewusst hatte, dass in ihrem Blut pure Schönheit schwamm. Und damit gehörte ich zu den Jungen, die nicht in ihrer Liga spielten. War es denn nicht immer so?
Der Außenseiter verliebte sich in die Neue - aber eigentlich war sie auch eine Außenseiterin; nicht, dass sie ausgeschlossen wurde, nein, sie sonderte sich einfach von den anderen ab. Den ersten Leuten, die sie ansprachen, trat sie schüchtern gegenüber - und wollten ihr diese noch näher kommen, folgte Ablehnung.
Sie faszinierte mich: Ihre Kleidung, unkonventionell und auffällig; ihre Augen, groß und fragend; ihre Zurückhaltung, was war der Grund dafür? Ich wusste es nicht, doch ich verzehrte mich danach, sie kennenzulernen ... ihr näher zu kommen - wenn ich mich doch bloß trauen würde! Es müsste eine unverfängliche Situation sein, vielleicht konnte ich ihr anbieten, ihr die Schule zu zeigen. Doch an dem Tag, an dem ich meinen Plan schließlich in die Tat umsetzen wollte, kam alles anders.
Dabei fing der Tag so gut an, Sonnenschein und gleich die erste Stunde fiel aus - die perfekte Gelegenheit. Das erste Mal seit Langem schien alles wie geschmiert für mich zu laufen - als hätte das Schicksal sich dazu entschieden, mir doch noch eine Chance zu geben.
Und ich wollte diese Chance auf jeden Fall nutzen, auch wenn mir vor Aufregung die Knie schlotterten. Schnell war ein Kaugummi zur Hand, der den Atem verbessern sollte, nocheinmal durchs Haar gestrichen und am Shirt gezupft, bis alles saß, da sah ich sie auch schon mit ihren Kopfhörern durch die Massen der anderen Schüler drängeln.
Sie lief geradewegs auf mich zu, ich holte tief Luft, um "Hi" zu sagen - da war sie auch schon an mir vorbei; ohne mich bemerkt zu haben, ohne dass ich den dicken Kloß im Hals hätte hinunterschlucken, und sie grüßen können. Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich ihr bedämmert hinterherstarrte und ganz starr war - ich vergaß sogar einen Moment lang, zu atmen.
Dann, ich weiß nicht, was mich packte, bewegten sich meine Füße ganz von alleine hinter ihr her, als würden sie nicht mehr zu meinem Körper gehören.

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BeitragThema: Re: Satz für Satz [2] Ein ganz normales Mädchen   Di März 27, 2012 2:17 pm

Hanna Schmidt war ein ganz normales Mädchen.
Sie war nicht besonders schön, nicht besonders intelligent und nicht besonders talentiert. Alles in allem könnte man sie als den personifizierten Durchschnitt bezeichnen. Hanna war also nicht schlechter oder besser als jeder von uns. Aber sie besaß etwas, das sie von uns anderen erheblich unterschied. In ihrer Freizeit las sie nicht wie wir anderen Bücher oder ging ins Kino, nein. Sie ging auf den Friedhof.
Dort, zwischen unzähligen, ergrauten Grabsteinen und wadenhohem Gras ruhte jemand, den sie nicht vergessen konnte.
Mehr als einmal hatte ich sie auf meinem Heimweg dort sitzen sehen, vor dem schulterhohen Granitstein knien sehen, den Kopf in Trauer gesenkt - oder im Zwiegespräch mit ihm. Und nie hatte ich mich getraut, sie anzusprechen und mich als Beobachter zu enttarnen. Dabei würde ich sie so gerne ansprechen, seit dem Tag, als sie an meine Schule kam.
Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal sah und sofort gewusst hatte, dass in ihrem Blut pure Schönheit schwamm. Und damit gehörte ich zu den Jungen, die nicht in ihrer Liga spielten. War es denn nicht immer so?
Der Außenseiter verliebte sich in die Neue - aber eigentlich war sie auch eine Außenseiterin; nicht, dass sie ausgeschlossen wurde, nein, sie sonderte sich einfach von den anderen ab. Den ersten Leuten, die sie ansprachen, trat sie schüchtern gegenüber - und wollten ihr diese noch näher kommen, folgte Ablehnung.
Sie faszinierte mich: Ihre Kleidung, unkonventionell und auffällig; ihre Augen, groß und fragend; ihre Zurückhaltung, was war der Grund dafür? Ich wusste es nicht, doch ich verzehrte mich danach, sie kennenzulernen ... ihr näher zu kommen - wenn ich mich doch bloß trauen würde! Es müsste eine unverfängliche Situation sein, vielleicht konnte ich ihr anbieten, ihr die Schule zu zeigen. Doch an dem Tag, an dem ich meinen Plan schließlich in die Tat umsetzen wollte, kam alles anders.
Dabei fing der Tag so gut an, Sonnenschein und gleich die erste Stunde fiel aus - die perfekte Gelegenheit. Das erste Mal seit Langem schien alles wie geschmiert für mich zu laufen - als hätte das Schicksal sich dazu entschieden, mir doch noch eine Chance zu geben.
Und ich wollte diese Chance auf jeden Fall nutzen, auch wenn mir vor Aufregung die Knie schlotterten. Schnell war ein Kaugummi zur Hand, der den Atem verbessern sollte, nocheinmal durchs Haar gestrichen und am Shirt gezupft, bis alles saß, da sah ich sie auch schon mit ihren Kopfhörern durch die Massen der anderen Schüler drängeln.
Sie lief geradewegs auf mich zu, ich holte tief Luft, um "Hi" zu sagen - da war sie auch schon an mir vorbei; ohne mich bemerkt zu haben, ohne dass ich den dicken Kloß im Hals hätte hinunterschlucken, und sie grüßen können. Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich ihr bedämmert hinterherstarrte und ganz starr war - ich vergaß sogar einen Moment lang, zu atmen.
Dann, ich weiß nicht, was mich packte, bewegten sich meine Füße ganz von alleine hinter ihr her, als würden sie nicht mehr zu meinem Körper gehören. Ein paar Meter musste ich hinter mich bringen, dann packte ich ihre Schulter und riss sie - etwas zu grob - herum.

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BeitragThema: Re: Satz für Satz [2] Ein ganz normales Mädchen   Fr Apr 06, 2012 8:03 pm

Hanna Schmidt war ein ganz normales Mädchen.
Sie war nicht besonders schön, nicht besonders intelligent und nicht besonders talentiert. Alles in allem könnte man sie als den personifizierten Durchschnitt bezeichnen. Hanna war also nicht schlechter oder besser als jeder von uns. Aber sie besaß etwas, das sie von uns anderen erheblich unterschied. In ihrer Freizeit las sie nicht wie wir anderen Bücher oder ging ins Kino, nein. Sie ging auf den Friedhof.
Dort, zwischen unzähligen, ergrauten Grabsteinen und wadenhohem Gras ruhte jemand, den sie nicht vergessen konnte.
Mehr als einmal hatte ich sie auf meinem Heimweg dort sitzen sehen, vor dem schulterhohen Granitstein knien sehen, den Kopf in Trauer gesenkt - oder im Zwiegespräch mit ihm. Und nie hatte ich mich getraut, sie anzusprechen und mich als Beobachter zu enttarnen. Dabei würde ich sie so gerne ansprechen, seit dem Tag, als sie an meine Schule kam.
Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal sah und sofort gewusst hatte, dass in ihrem Blut pure Schönheit schwamm. Und damit gehörte ich zu den Jungen, die nicht in ihrer Liga spielten. War es denn nicht immer so?
Der Außenseiter verliebte sich in die Neue - aber eigentlich war sie auch eine Außenseiterin; nicht, dass sie ausgeschlossen wurde, nein, sie sonderte sich einfach von den anderen ab. Den ersten Leuten, die sie ansprachen, trat sie schüchtern gegenüber - und wollten ihr diese noch näher kommen, folgte Ablehnung.
Sie faszinierte mich: Ihre Kleidung, unkonventionell und auffällig; ihre Augen, groß und fragend; ihre Zurückhaltung, was war der Grund dafür? Ich wusste es nicht, doch ich verzehrte mich danach, sie kennenzulernen ... ihr näher zu kommen - wenn ich mich doch bloß trauen würde! Es müsste eine unverfängliche Situation sein, vielleicht konnte ich ihr anbieten, ihr die Schule zu zeigen. Doch an dem Tag, an dem ich meinen Plan schließlich in die Tat umsetzen wollte, kam alles anders.
Dabei fing der Tag so gut an, Sonnenschein und gleich die erste Stunde fiel aus - die perfekte Gelegenheit. Das erste Mal seit Langem schien alles wie geschmiert für mich zu laufen - als hätte das Schicksal sich dazu entschieden, mir doch noch eine Chance zu geben.
Und ich wollte diese Chance auf jeden Fall nutzen, auch wenn mir vor Aufregung die Knie schlotterten. Schnell war ein Kaugummi zur Hand, der den Atem verbessern sollte, nocheinmal durchs Haar gestrichen und am Shirt gezupft, bis alles saß, da sah ich sie auch schon mit ihren Kopfhörern durch die Massen der anderen Schüler drängeln.
Sie lief geradewegs auf mich zu, ich holte tief Luft, um "Hi" zu sagen - da war sie auch schon an mir vorbei; ohne mich bemerkt zu haben, ohne dass ich den dicken Kloß im Hals hätte hinunterschlucken, und sie grüßen können. Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich ihr bedämmert hinterherstarrte und ganz starr war - ich vergaß sogar einen Moment lang, zu atmen.
Dann, ich weiß nicht, was mich packte, bewegten sich meine Füße ganz von alleine hinter ihr her, als würden sie nicht mehr zu meinem Körper gehören. Ein paar Meter musste ich hinter mich bringen, dann packte ich ihre Schulter und riss sie - etwas zu grob - herum.
Ihre ohnehin großen, immer fragenden Augen wurden noch größer, als sie mich überrascht anstarrte und - ja, sah ich da sogar Angst in ihrem Blick?

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BeitragThema: Re: Satz für Satz [2] Ein ganz normales Mädchen   Sa Apr 07, 2012 12:00 pm

Hanna Schmidt war ein ganz normales Mädchen.
Sie war nicht besonders schön, nicht besonders intelligent und nicht besonders talentiert. Alles in allem könnte man sie als den personifizierten Durchschnitt bezeichnen. Hanna war also nicht schlechter oder besser als jeder von uns. Aber sie besaß etwas, das sie von uns anderen erheblich unterschied. In ihrer Freizeit las sie nicht wie wir anderen Bücher oder ging ins Kino, nein. Sie ging auf den Friedhof.
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Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal sah und sofort gewusst hatte, dass in ihrem Blut pure Schönheit schwamm. Und damit gehörte ich zu den Jungen, die nicht in ihrer Liga spielten. War es denn nicht immer so?
Der Außenseiter verliebte sich in die Neue - aber eigentlich war sie auch eine Außenseiterin; nicht, dass sie ausgeschlossen wurde, nein, sie sonderte sich einfach von den anderen ab. Den ersten Leuten, die sie ansprachen, trat sie schüchtern gegenüber - und wollten ihr diese noch näher kommen, folgte Ablehnung.
Sie faszinierte mich: Ihre Kleidung, unkonventionell und auffällig; ihre Augen, groß und fragend; ihre Zurückhaltung, was war der Grund dafür? Ich wusste es nicht, doch ich verzehrte mich danach, sie kennenzulernen ... ihr näher zu kommen - wenn ich mich doch bloß trauen würde! Es müsste eine unverfängliche Situation sein, vielleicht konnte ich ihr anbieten, ihr die Schule zu zeigen. Doch an dem Tag, an dem ich meinen Plan schließlich in die Tat umsetzen wollte, kam alles anders.
Dabei fing der Tag so gut an, Sonnenschein und gleich die erste Stunde fiel aus - die perfekte Gelegenheit. Das erste Mal seit Langem schien alles wie geschmiert für mich zu laufen - als hätte das Schicksal sich dazu entschieden, mir doch noch eine Chance zu geben.
Und ich wollte diese Chance auf jeden Fall nutzen, auch wenn mir vor Aufregung die Knie schlotterten. Schnell war ein Kaugummi zur Hand, der den Atem verbessern sollte, nocheinmal durchs Haar gestrichen und am Shirt gezupft, bis alles saß, da sah ich sie auch schon mit ihren Kopfhörern durch die Massen der anderen Schüler drängeln.
Sie lief geradewegs auf mich zu, ich holte tief Luft, um "Hi" zu sagen - da war sie auch schon an mir vorbei; ohne mich bemerkt zu haben, ohne dass ich den dicken Kloß im Hals hätte hinunterschlucken, und sie grüßen können. Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich ihr bedämmert hinterherstarrte und ganz starr war - ich vergaß sogar einen Moment lang, zu atmen.
Dann, ich weiß nicht, was mich packte, bewegten sich meine Füße ganz von alleine hinter ihr her, als würden sie nicht mehr zu meinem Körper gehören. Ein paar Meter musste ich hinter mich bringen, dann packte ich ihre Schulter und riss sie - etwas zu grob - herum.
Ihre ohnehin großen, immer fragenden Augen wurden noch größer, als sie mich überrascht anstarrte und - ja, sah ich da sogar Angst in ihrem Blick?
"Hey", stieß ich mit schwerer Zunge hervor und versuchte mich an einem Grinsen, ohne sie jedoch loszulassen.

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BeitragThema: Re: Satz für Satz [2] Ein ganz normales Mädchen   Sa Apr 07, 2012 10:28 pm

Hanna Schmidt war ein ganz normales Mädchen.
Sie war nicht besonders schön, nicht besonders intelligent und nicht besonders talentiert. Alles in allem könnte man sie als den personifizierten Durchschnitt bezeichnen. Hanna war also nicht schlechter oder besser als jeder von uns. Aber sie besaß etwas, das sie von uns anderen erheblich unterschied. In ihrer Freizeit las sie nicht wie wir anderen Bücher oder ging ins Kino, nein. Sie ging auf den Friedhof.
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Mehr als einmal hatte ich sie auf meinem Heimweg dort sitzen sehen, vor dem schulterhohen Granitstein knien sehen, den Kopf in Trauer gesenkt - oder im Zwiegespräch mit ihm. Und nie hatte ich mich getraut, sie anzusprechen und mich als Beobachter zu enttarnen. Dabei würde ich sie so gerne ansprechen, seit dem Tag, als sie an meine Schule kam.
Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal sah und sofort gewusst hatte, dass in ihrem Blut pure Schönheit schwamm. Und damit gehörte ich zu den Jungen, die nicht in ihrer Liga spielten. War es denn nicht immer so?
Der Außenseiter verliebte sich in die Neue - aber eigentlich war sie auch eine Außenseiterin; nicht, dass sie ausgeschlossen wurde, nein, sie sonderte sich einfach von den anderen ab. Den ersten Leuten, die sie ansprachen, trat sie schüchtern gegenüber - und wollten ihr diese noch näher kommen, folgte Ablehnung.
Sie faszinierte mich: Ihre Kleidung, unkonventionell und auffällig; ihre Augen, groß und fragend; ihre Zurückhaltung, was war der Grund dafür? Ich wusste es nicht, doch ich verzehrte mich danach, sie kennenzulernen ... ihr näher zu kommen - wenn ich mich doch bloß trauen würde! Es müsste eine unverfängliche Situation sein, vielleicht konnte ich ihr anbieten, ihr die Schule zu zeigen. Doch an dem Tag, an dem ich meinen Plan schließlich in die Tat umsetzen wollte, kam alles anders.
Dabei fing der Tag so gut an, Sonnenschein und gleich die erste Stunde fiel aus - die perfekte Gelegenheit. Das erste Mal seit Langem schien alles wie geschmiert für mich zu laufen - als hätte das Schicksal sich dazu entschieden, mir doch noch eine Chance zu geben.
Und ich wollte diese Chance auf jeden Fall nutzen, auch wenn mir vor Aufregung die Knie schlotterten. Schnell war ein Kaugummi zur Hand, der den Atem verbessern sollte, nocheinmal durchs Haar gestrichen und am Shirt gezupft, bis alles saß, da sah ich sie auch schon mit ihren Kopfhörern durch die Massen der anderen Schüler drängeln.
Sie lief geradewegs auf mich zu, ich holte tief Luft, um "Hi" zu sagen - da war sie auch schon an mir vorbei; ohne mich bemerkt zu haben, ohne dass ich den dicken Kloß im Hals hätte hinunterschlucken, und sie grüßen können. Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich ihr bedämmert hinterherstarrte und ganz starr war - ich vergaß sogar einen Moment lang, zu atmen.
Dann, ich weiß nicht, was mich packte, bewegten sich meine Füße ganz von alleine hinter ihr her, als würden sie nicht mehr zu meinem Körper gehören. Ein paar Meter musste ich hinter mich bringen, dann packte ich ihre Schulter und riss sie - etwas zu grob - herum.
Ihre ohnehin großen, immer fragenden Augen wurden noch größer, als sie mich überrascht anstarrte und - ja, sah ich da sogar Angst in ihrem Blick?
"Hey", stieß ich mit schwerer Zunge hervor und versuchte mich an einem Grinsen, ohne sie jedoch loszulassen.
"Ja?", gab sie zurück und wand ihre Schulter aus meinem Griff, während ihre Augen mich weiterhin ängstlich festhielten.

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BeitragThema: Re: Satz für Satz [2] Ein ganz normales Mädchen   So Apr 08, 2012 9:51 am

Hanna Schmidt war ein ganz normales Mädchen.
Sie war nicht besonders schön, nicht besonders intelligent und nicht besonders talentiert. Alles in allem könnte man sie als den personifizierten Durchschnitt bezeichnen. Hanna war also nicht schlechter oder besser als jeder von uns. Aber sie besaß etwas, das sie von uns anderen erheblich unterschied. In ihrer Freizeit las sie nicht wie wir anderen Bücher oder ging ins Kino, nein. Sie ging auf den Friedhof.
Dort, zwischen unzähligen, ergrauten Grabsteinen und wadenhohem Gras ruhte jemand, den sie nicht vergessen konnte.
Mehr als einmal hatte ich sie auf meinem Heimweg dort sitzen sehen, vor dem schulterhohen Granitstein knien sehen, den Kopf in Trauer gesenkt - oder im Zwiegespräch mit ihm. Und nie hatte ich mich getraut, sie anzusprechen und mich als Beobachter zu enttarnen. Dabei würde ich sie so gerne ansprechen, seit dem Tag, als sie an meine Schule kam.
Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal sah und sofort gewusst hatte, dass in ihrem Blut pure Schönheit schwamm. Und damit gehörte ich zu den Jungen, die nicht in ihrer Liga spielten. War es denn nicht immer so?
Der Außenseiter verliebte sich in die Neue - aber eigentlich war sie auch eine Außenseiterin; nicht, dass sie ausgeschlossen wurde, nein, sie sonderte sich einfach von den anderen ab. Den ersten Leuten, die sie ansprachen, trat sie schüchtern gegenüber - und wollten ihr diese noch näher kommen, folgte Ablehnung.
Sie faszinierte mich: Ihre Kleidung, unkonventionell und auffällig; ihre Augen, groß und fragend; ihre Zurückhaltung, was war der Grund dafür? Ich wusste es nicht, doch ich verzehrte mich danach, sie kennenzulernen ... ihr näher zu kommen - wenn ich mich doch bloß trauen würde! Es müsste eine unverfängliche Situation sein, vielleicht konnte ich ihr anbieten, ihr die Schule zu zeigen. Doch an dem Tag, an dem ich meinen Plan schließlich in die Tat umsetzen wollte, kam alles anders.
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Sie lief geradewegs auf mich zu, ich holte tief Luft, um "Hi" zu sagen - da war sie auch schon an mir vorbei; ohne mich bemerkt zu haben, ohne dass ich den dicken Kloß im Hals hätte hinunterschlucken, und sie grüßen können. Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich ihr bedämmert hinterherstarrte und ganz starr war - ich vergaß sogar einen Moment lang, zu atmen.
Dann, ich weiß nicht, was mich packte, bewegten sich meine Füße ganz von alleine hinter ihr her, als würden sie nicht mehr zu meinem Körper gehören. Ein paar Meter musste ich hinter mich bringen, dann packte ich ihre Schulter und riss sie - etwas zu grob - herum.
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"Ja?", gab sie zurück und wand ihre Schulter aus meinem Griff, während ihre Augen mich weiterhin ängstlich festhielten. Ich glaubte, ihre Unterlippe zittern zu sehen.

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